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Adieu Bonaparte / La Ville des Prodiges / Ninfa Plebea / April Captains
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Adieu Bonaparte » Gabriel Yared  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: Adieu Bonaparte, 1996

Label: CSE (800-141)

Komponist: Gabriel Yared

Bewertung:
2½ von 6 Sternen
2½ von 6 Sternen


Laufzeit: 30:31 Min.

La Ville des Prodiges » Jean-Marie Sénia  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: La Ville des Prodiges, 2000

Label: CAM (494911-2)

Komponist: Jean-Marie Sénia

Bewertung:
4 von 6 Sternen
4 von 6 Sternen


Laufzeit: 55:08 Min.

Ninfa Plebea » Ennio Morricone  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: Ninfa Plebea, 2000

Label: COS (700-037)

Komponist: Ennio Morricone

Bewertung:
3½ von 6 Sternen
3½ von 6 Sternen


Laufzeit: 43:09 Min.

April Captains » António Victorino D'Almeida  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: April Captains (Capitaes de Abril), 2000

Label: Hollywood (122802HWR)

Komponist: António Victorino D'Almeida

Bewertung:
3½ von 6 Sternen
3½ von 6 Sternen


Laufzeit: 47:10 Min.

Adieu Bonaparte

Der 1949 in Beirut geborene Gabriel Yared ist auch bei uns kein Unbekannter. Von ihm erschien auf CD im Frühjahr 2000 The Talented Mr. Ripley * Der talentierte Mr. Ripley und erst kürzlich Autumn in New York * Es begann im September. Adieu Bonaparte ist Yareds Musikbeitrag aus dem Jahr 1985 zu einem hierzulande nur im Fernsehen (zu später Stunde) gezeigten französisch-ägyptischen Kostümepos des Regisseurs Youssef Chahine, das vor dem Hintergrund von Napoleons Ägypten-Feldzug des Jahres 1798 spielt.

Yared setzt in seiner sinfonischen Musik das Philharmonische Orchester Paris ein, dazu Männerchor und Synthesizer-Unterstützung. Der Tonfall der Komposition ist wenig monumental, der Komponist betont primär das lyrische Element der Begegnung zweier Kulturen. Die CD bietet mit rund 30 Minuten Spieldauer erstaunlich wenig Material für einen relativ groß angelegten Film dieser Art. Ob hier nicht mehr oder nur kein weiteres interessantes Musikmaterial zur Verfügung stand, kann ich nicht beurteilen. Beim Hören der CD ist allerdings trotz der kurzen Spieldauer eine gewisse Monotonie des Gebotenen kaum überhörbar: Es gibt im Wesentlichen ein geheimnisvoll klingendes Hauptthema, das sich allzu häufig in kaum variierter Form wiederholt. Nicht als besonders ansprechend empfand ich außerdem die partiell sehr ausgeprägten Synthesizer-Einsätze. Das ist sicherlich auch eine Sache des individuellen Geschmacks, wobei ich besonders in Kostümfilm-Musiken merkliche Elektronikeinsätze für unangebracht halte. Insgesamt verfügt die Musik zwar über einige ordentliche Passagen, in denen das ansprechende Hauptthema recht wirkungsvoll präsentiert wird und die das arabische Element der Filmhandlung recht stimmungsvoll zur Geltung bringen, ein Muss ist sie aber sicherlich nicht. Wer sich für Yareds Kompositionen besonders interessiert, für den dürfte dieser Titel eine willkommene Ergänzung sein, Freunde von Monumentalfilm-Musiken hingegen sollten nicht zu viel erwarten.

La Ville des Prodiges

Der Film des spanischen Regisseurs Mario Camus La Ville des Prodiges ist in Deutschland bislang wohl nicht gezeigt worden. Der 1947 geborene Algerier Jean-Marie Sénia schrieb für diesen um die Jahrhundertwende in Barcelona spielenden Film eine hörenswerte Musik für ein kleines Ensemble aus Streichern, Klavier, Gitarre und Akkordeon. Eine zentrale Rolle spielt das Klavier, das auch einige Solostücke bestreitet. Insgesamt bewegt sich die romantische Musik abseits gewohnter üppiger Kinosinfonik, ist überwiegend intim solistisch und dabei im Ausdruck melancholisch gehalten. Durch das häufiger eingesetzte Akkordeon bekommt die Klangschöpfung auch folkloristischen Touch, der im Tango von Ambition devorante besonders schön zur Geltung kommt. Das sehr klangschöne, melodisch-eingängige Hauptthema durchzieht die Musik dazu in gelungenen Variationen.

Sénias Musik zu La Ville des Prodiges gehört sicher nicht zu den Kino-Tonschöpfungen im gewohnten Hollywood-Sound, sondern ist vielmehr ein überwiegend kammermusikalisch orientiertes und handwerklich überdurchschnittliches Pendant dazu. Insgesamt präsentiert sich hier ein ungewohntes, sehr sauber gearbeitetes, durchaus charmantes Werk, das für nicht nur auf klangliche Üppigkeit und auf Bombast fixierte Hörer eine interessante Ergänzung der Kollektion sein kann.

Ninfa Plebea

Ennio Morricone schuf die Musik für diesen hierzulande kaum bekannten Film von Lina Wertmüller aus dem Jahr 1996. Die Filmhandlung schildert eine Liebesgeschichte in einem süditalienischen Dorf vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges. Hörbar überwiegen die romantischen Elemente des wohl eher ein wenig märchenhaft, denn realistisch angelegten Sujets, in dem ein ausschweifendes junges Mädchen unter wundersamen Umständen zurück auf den Pfad der Tugend geführt wird. Neben einschmeichelnder, typischer Morricone-Melodik – durch Flötensoli über Streicherteppich – gibt es gekonnt eingewobene folkloristische Elemente der Region und auch einige dunklere Musikpassagen, die wohl den Krieg symbolisieren sollen.

Insgesamt ist Ninfa Plebea eine wirklich klangschöne Komposition Ennio Morricones, die handwerklich sehr sauber gearbeitet ist und in Teilen hörbar Pfiff aufzuweisen hat. Für vier Sterne fehlt der partiell doch repetitiven Tonschöpfung ein Stück Klasse, aber mit 3 ½ Sternen ist die Musik keinesfalls abgewertet, sondern bekommt mehr als nur die kleine Empfehlung. Wer noch eine angenehme und gefühlvolle Morricone-Filmmusik für seine Kollektion haben möchte, dem sei die CD empfohlen.

April Captains * Capitaes de Abril

Der Film Capitaes de Abril thematisiert den unblutigen Sturz des portugiesischen Salazar-Regimes im Jahr 1974 durch eine entschlossene Gruppe von Offizieren. Der Komponist António Victorino DAlmeida präsentiert auf der CD zwei Orchestersuiten, die von der City of Prague Philharmonic (Nr. 1) und vom Orchestra di Roma (Nr. 2) unter Almeidas Leitung dargeboten werden. Anschließend gibt es noch zwei Versionen des elegischen Hauptthemas, die eine für Gitarre und Klavier und die andere als Songversion As brumas do future, gesungen von Madredeus.

Almeida hat seine Klangschöpfung recht ungewöhnlich und dezent modern gehalten und dabei besonders rhythmische Akzente betont. Mich erinnern die Art der Rhythmen und auch das kammermusikalisch gewählte Ensemble der über weite Strecken eher trockenen Tonschöpfung an Filmkompositionen Hanns Eislers und auch an die frühen Werke von Maurice Jarre. Die mitunter grotesk wirkenden Klänge dürften auch von Dmitri Schostakowitsch beeinflusst sein. Der Komponist verwendet hier auch bekannte musikalische Stilmittel wie den Walzer, den er raffiniert verfremdet. Ähnlich wie in La Ville des Prodiges geben auch hier das häufiger eingesetzte Akkordeon und die (portugiesische) Gitarre dem Ganzen einen folkloristischen Touch, neben denen auch Einflüsse des Jazz spürbar werden. Die Musik ist nicht breitorchestral, sondern intim gehalten und dazu sehr atmosphärisch geraten. Sie wird dominiert durch vorantreibende, rhythmisch geprägte, von Soli- und ungewöhnlichen Instrumentenkombinationen ausgeführte Passagen. Erwähnenswert ist die Verwendung des metallisch-flirrend klingenden Flexatons – ein Effektinstrument, das auch John Barry in seiner Musik zu Ipcress File * Streng Geheim (1965) verwendet hat. Gelegentlich unterbrechen lyrische Einschübe eine insgesamt handwerklich sehr solide und auch nicht ohne Raffinesse gemachte Filmmusik. Die Komposition verfügt deshalb über einige Reize, wirkt aber vom Bild gelöst, in Teilen doch etwas langatmig. Insgesamt gilt das schon zu La Ville des Prodiges Geschriebene: Eine interessante CD, besonders für diejenigen Hörer, die für Ungewöhnliches aufgeschlossen sind.

Michael Boldhaus | 21.12.2000
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