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The Invincible / Leo und Claire
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The Invincible » Klaus Badelt, Hans Zimmer  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: The Invincible, 2002

Label: Milan (74321-89821-2)

Komponist: Klaus Badelt, Hans Zimmer

Bewertung:
3 von 6 Sternen
3 von 6 Sternen


Laufzeit: 49:10 Min.

Leo und Claire » Gert Wilden jr.  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: Leo und Claire, 2002

Label: BMG (74321-931752)

Komponist: Gert Wilden jr.

Bewertung:
3½ von 6 Sternen
3½ von 6 Sternen


Laufzeit: 42:53 Min.

The Invincible

Zu Werner Herzogs Film The Invincible * Invincible — Unbesiegbar, einer Story um einen jüdischen Siegfried im nationalsozialistischen Berlin der 30er Jahre, schufen Hans Zimmer und Klaus Badelt die musikalische Untermalung. Beim Hören des Scores ist die konzeptionelle Nähe zu Hannibal kaum überhörbar. Das zur Hannibal-Musik seinerzeit Geschriebene, ... eine Synthese aus tristanesker Leidenschaft und Siegfried-Idyll, und in einigen Teilen ist das Adagietto der fünften Sinfonie Gustav Mahlers als eindeutige Inspirationsquelle übermächtig spürbar ..., gilt prinzipiell hier ebenso. Hinzu kommt teilweise noch der bereits aus The Thin Red Line bekannte Lohengrin-Touch.

Wann handelt es sich bei erkennbaren musikalischen Vorbildern um ein gekonntes Arbeiten mit Stilmodellen und wann um eindeutige (und meistens schnell einfallslos wirkende) Plagiate? An der Beantwortung dieser Frage scheiden sich sicher die Geister. Was schon stört oder noch gefällt, ist dazu nicht allein reine Geschmacksache, sondern auch davon abhängig, wie vertraut der Hörer mit den verwendeten Vorbildern ist.

Bei The Invincible gibt es einige Teile, bei denen die musikalischen Referenzen derart deutlich sind, dass man von fast wörtlichem Zitat sprechen muss. So etwas empfinde ich schon als (be-)lastend und kann mich daher mit den resultierenden Stilkopien nur bedingt anfreunden. Manch einer mag dagegen argumentieren, dass dieses Konzept hervorragend stimmig zur im Dritten Reich spielenden Filmhandlung sei: Ich halte stilistische Nähe für angebrachter als beinahe ein 1:1-Zitat.

Dies bedeutet aber nicht, dass hier schlecht gearbeitet worden ist und/oder die Musik kein gutes Hörerlebnis bieten kann. Ob man das Album allerdings haben muss, darüber entscheidet (wieder einmal) in besonderem Maße der persönliche Geschmack. Ein Probehören ist angeraten.

Als Hör-Album vermag The Invincible — dank eindeutig besserer Konzeption — stärker zu überzeugen als Hannibal. Die The Invincible-CD hat einen Score-Anteil von rund 36 Minuten und sauber davon abgetrennt Source-Musik-Stücke von Beethoven und Händel sowie zwei Piècen mit zeitbezogener Unterhaltungsmusik, stimmig neu interpretiert vom Palast-Orchester und Max Raabe — einer auf den Berliner Sound der 30er spezialisierten Klangformation.


Leo und Claire

Im Film Leo und Claire von Joseph Vilsmaier (Marlene) geht es um eine vor dem Hintergrund des Dritten Reichs spielende Geschichte über Liebe, Erotik und Tod. Gert Wilden jr. konzipierte und komponierte seine Musik (nach eigener Aussage) bereits vor und während der Dreharbeiten. Seine Komposition gliedert sich in zwei Bereiche: die orchestrale, im klassisch-romantischen Stil gehaltene dramatische Filmmusik sowie die als Zeitkolorit dienende neu komponierte, der Ära der Filmhandlung entsprechende Unterhaltungsmusik.

Das klangliche Geschehen zu Leo und Claire wird von chorischen Streicherpassagen mit häufigen Soli von Holzbläsern, Cello und Klavier bestimmt, wobei der Komponist die Streichersektion der Münchner Philharmoniker geschickt und recht vielseitig einsetzt. Das charmante Hauptthema durchzieht den Score in ansprechenden Variationen in einer insgesamt zurückhaltenden und transparenten Musikuntermalung. Selbst in Das Pogrom agiert die Musik unterschwellig und bringt die Dramatik des Geschehens leise — aber wirkungsvoll — zum Ausdruck. In Teilen der romantisch-lyrischen, mitunter auch melancholischen Musik sind slawische und jiddische Einflüsse spürbar.

Auf dem Album sind auch zwei Originalstücke Unterhaltungsmusik der Ära vertreten — im leicht antiken Klanggewand — und auch die Gymnopedie Nr. 1 von Erik Satie. Zwei Stücken — Das Verhör #1 und Das Verhör #2 — liegt ein Original von Henry Purcell zugrunde.

Besonders überzeugend sind die klassisch-orchestralen, mitunter recht konzertant wirkenden Teile; die punktuell eingefügten (neu komponierten) Piècen mit ihrem Zeitkolorit vermögen dabei angenehm zu unterhalten. Hier gehen gut ins Ohr Irenes Rumba, der Konzertwalzer in Der Kuss und auch das französisch angehauchte Oh la la. Unterm Strich eine handwerklich sehr solide gemachte Filmmusik und auch ein gutes Höralbum. Gert Wilden jr. sollte die Chance erhalten, seine Fähigkeiten an einem größeren Projekt weiter unter Beweis stellen zu können.

Michael Boldhaus | 05.06.2002
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