Red Dragon
Zum Thriller
Red Dragon * Roter Drache um die Wurzeln des Serienkillers Hannibal Lecter schrieb Danny Elfman die Musik. Eifrige Kinogänger kennen Lecter bereits aus
The Silence of the Lambs * Das Schweigen der Lämmer (1990, Musik: Howard Shore) und
Hannibal (2001, Musik: Hans Zimmer).
Red Dragon ist allerdings ein Remake von Michael Manns hingegen kaum beachtetem Film
Red Dragon: The Pursuit of Hannibal Lecter (1986) – auch unter dem (Video-)Titel
Manhunter * Blutmond gezeigt.
Danny Elfmans Musikbeitrag setzt sich vor allem stilistisch deutlich von den Werken der jüngeren Zeit ab. Dem Hörer begegnet hier weder der verspielt poppige Schmiss der
Men in Black noch die raffiniert gestalteten Percussions des
Planet of the Apes, ebenso wenig die elegant gestylten Action-Momente von
Spider-Man und auch nicht die romantisch-düstere Atmosphäre des kleinen Örtchens
Sleepy Hollow. Bei eingehenderem Hören tritt aber auch hier das Elfman-Typische, die intensiv motivisch verzahnte Struktur der Komposition – etwas, das auf Bernard Herrmann verweist – und auch die Art und Weise des Verbindens von Elektronik und Orchester, deutlich hervor. Als musikalischer Anknüpfungspunkt empfiehlt sich Elfmans stimmungsmäßig verwandte, allerdings stärker romantisch angelegte Musik zu
Dolores Claiborne (1995).
In
Red Dragon verwendet der Komponist ein groß besetztes Orchester. Außerdem haben Elektronik und gelegentliche Choreinsätze einen maßvollen Anteil am Klanggeschehen. Die Hauptakzente setzt er dieses Mal auf geschickten und vielfältigen Einsatz des Streicherapparates, dem sich in einigen Passagen markante synthetische Effekte hinzugesellen. Das offenbar stark besetzte Blech verleiht einigen gut konzipierten Klangausbrüchen einen satten und wuchtigen Klang – möglicherweise wird dabei zusätzlich behutsam synthetisch unterstützt. Diese gut eingearbeiteten Steigerungen verleihen dem auch so schon nicht trocken, sondern durchdacht wirkenden musikalischen Fluss zusätzliche Hörreize und auch Spannung.
Elfman betätigt sich hier in gewissem Sinne als Wegbereiter von Howard Shore, dessen von kühlen Streicherharmonien bestimmter Score zu
The Silence of the Lambs sehr filmwirksam ist, aber als reines Höralbum in Gänze gehört eher langatmig und monoton wirkt. Als Ausgangspunkt der Komposition zu
Red Dragon steht kein einprägsames üppiges Thema, sondern ein eher unscheinbares Zweinoten-Motiv, das auch in erweiterter Form, als eine Art melodische Phrase erscheint. Wenn die stark atmosphärische Klangschöpfung auch nicht die Intensität und Dichte der vergleichbar düsteren Musik zu
Minority Report von John Williams erreicht,
Red Dragon ist keinesfalls ein blasser und langatmiger, sondern ein geschickt strukturierter Thriller-Score. Auch als Höralbum dürfte Elfmans Musik (im vorliegenden sehr überzeugenden und ebenso gut klingenden Albumschnitt) ohne Schwierigkeiten den Spitzenplatz der Filmtrilogie belegen.