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Primal / The Third Man
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Primal »  Bob & Barn  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
Sampler: Primal, 2003

Label: Silva Screen (FILMCD 366)

Komponist: Bob & Barn

Bewertung:
3 von 6 Sternen
3 von 6 Sternen


Laufzeit: 61:34 Min.

The Third Man » Anton Karas  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: The Third Man (Der Dritte Mann), 2003

Label: Silva Screen (FILMCD 367)

Komponist: Anton Karas

Bewertung:
2 von 6 Sternen
2 von 6 Sternen


Laufzeit: 48:14 Min.

Primal

Silvas Veröffentlichung zum Videospiel für die Sony Playstation 2 zeigt einmal mehr welche Evolution diese Gattung mittlerweile auch im Audio-Bereich durchgemacht hat (siehe auch Erik Lundborgs Enter the Matrix).

Zu Primal hat das unter dem etwas merkwürdigen Kürzel Bob & Barn firmierende Komponistenduo Paul Arnold und Andrew Barnabas rund 100 Minuten Musik entworfen, die Nic Raine (sauber routiniert) in eine recht üppig klingende sinfonische Tonsprache für großes Orchester und Chor (zusammen 109 Musiker) sowie diverse Soli gegossen hat.

Dem Hörer präsentiert sich über die rund einstündige Laufzeit ein recht abwechslungsreiches, aber musikalisch sicherlich keineswegs originelles oder gar neuartiges Programm. Das Gebotene ist vielmehr eine musikalisch-stilistisch breit angelegte Gemischtwarenhandlung, wo sich von allem Bekannten etwas findet: vom Herrn der Ringe über Legende, der Star Wars-Trilogie und Atlantis - The Lost Empire bis hin zu Waterworld und selbstverständlich auch Orffs Carmina Burana, Borodins Polowetzer Tänze, ein wenig von Johann Strauss Sohn und sonstigen diversen Einflüssen des klassischen Repertoires, hier ist alles zu haben, was brauchbar ist. Alles in allem ist Primal damit zwar ohne Raffinesse und Tiefgang, aber doch ein recht unterhaltsames Album. Für eine Komposition zu einem Videospiel handelt es sich dazu um eine beachtliche Fleißarbeit, die durch die saubere Instrumentierung wohl auch ein Stück aufgewertet worden ist. Wertungsmäßig kann man hier wohl noch drei Sterne und damit eine kleine Empfehlung vertreten.

The Third Man

Regisseur Carol Reeds Film The Third Man * Der dritte Mann (1949), nach der gleichnamigen Erzählung von Graham Greene, ist zweifellos einer der größten Erfolge des British Cinema und machte auch seinen Regisseur weltweit bekannt. Reeds Film ist ein frühes Beispiel dafür, wie der überwältigende Erfolg eines insgesamt gut gemachten Leinwandproduktes manche Gemüter zu tiefgründigen Interpretationen anregt, die Bedeutungen hinter dem Filmgeschehen entdecken, von denen die Macher kaum etwas geahnt haben ...

Zweifellos handelt es sich bei Der dritte Mann um einen raffiniert mit Licht und Schatten umgehenden Noir-Thriller. Durch das vom Zweiten Weltkrieg deutlich gezeichnete Nachkriegs-Wien erhält der Film für die im Schiebermilieu angesiedelte melodramatische Handlung zusätzliche Atmosphäre. Neben dem nüchternen, beeindruckend realistischen Trümmer-Wien - eine besetzte und geteilte Stadt, als eben nicht inszeniert wirkende Kulisse -, kommen die für die damalige Zeit noch eher ungewöhnlichen psychologischen Aspekte der Filmhandlung und eine geschickte Erzählstruktur: In Rückblenden werden die Ereignisse berichtet, die zur den Film eröffnenden Beerdigung von Harry Lime geführt haben. Und neben der ausgefeilten Kameraarbeit, die mit den Stilmitteln des Expressionismus eine Atmosphäre der latenten Bedrohung schafft, haben auch die sehr guten und markanten Darsteller, wie Orson Welles und Joseph Cotten, erheblichen Anteil an der guten Wirkung des Films.

Und zum Kult um den Dritten Mann gehört auch die musikalische Untermalung des Kaffeehausmusikers und Zither-Spielers Anton Karas, dessen melodisch-eingängiges, charmantes Harry-Lime-Thema ebenso weltberühmt geworden ist. In Carol Reeds auf besonderen Realismus der Inszenierung Wert legenden Stil ist zweifellos auch die Karas-Musik ein wichtiger Mosaikstein. Deren, gewissermaßen den Ur-Charme des Alten Wiens beschwörenden Zither-Klänge setzen einen scharfen Kontrast zum Trümmeralltag von 1945 und sind eine klangliche Vision besserer Tage (man denke an die Eröffnung von Gschichten aus dem Wienerwald von J. Strauss Sohn). Darin liegt - im Zusammenwirken mit den Filmbildern - der Reiz, davon gelöst aber auch die relative Belanglosigkeit begründet! Anton Karas Musik bleibt nämlich auch in den Spannungsmomenten ausschließlich allein netten, aber reinen Kaffeehaus-Unterhaltungsstandards verpflichtet. Außer dem mitunter (1:1) wiederkehrenden Harry-Lime-Thema, gibt es weder eine rein musikalische noch bildbezogene Dramaturgie. Gerade die jetzt vorliegende CD belegt dies und damit auch die Ausnahme von der Regel die Karas Musik im Bereich Filmmusik bildet.

Analog zu Silvas Album zu John Barrys Quiller Memorandum sind zwischen die Karas-Stücke Dialog-Schnipsel (erfreulicherweise ebenfalls komplett herausprogrammierbar!) eingestreut. Darüber hinaus gibts als Bonus-Tracks noch (allerdings recht blasse) Orchester-Arrangements zweier der Karas Stücke, wobei eines natürlich das besagte Harry-Lime-Thema ist. Eine CD, die man nach den üblichen Cinemusic.de-Standards nur schwierig richtig einordnen kann. Mir erscheint hier die eingeschränkte Empfehlung sinnvoll.

Für manch einen mag diese Komplettfassung exakt das lang gesuchte Souvenir zu Reeds Filmklassiker sein; alle übrigen sollten besser warten, bis das Harry-Lime-Thema auf einem weiteren Silva-Sampler auftaucht. Bei der unermüdlich weiter das hauseigene Repertoire verwurstenden Arbeitsweise der Silva-Albenmacher, ist das wohl eh nur eine Frage der Zeit.

Michael Boldhaus | 30.09.2003
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