Cinemusic.de - Zurück zur Startseite
The Gospel of John / The Guys
Menü anzeigen

The Gospel of John » Jeff Danna  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: The Gospel of John, 2003

Label: Varèse (VSD-6530)

Komponist: Jeff Danna

Bewertung:
4 von 6 Sternen
4 von 6 Sternen


Laufzeit: 52:55 Min.

The Guys » Mychael Danna  » Klicken Sie auf das kleine Cover um es vergrößert darzustellen.
CD: The Guys, 2003

Label: Sony (SK 87271)

Komponist: Mychael Danna

Bewertung:
3½ von 6 Sternen
3½ von 6 Sternen


Laufzeit: 36:00 Min.

The Danna Brothers strike again! Zwei sehr beachtliche Filmmusikalben von Jeff und Mychael geben sich ein Stelldichein.

The Gospel of John

Jeff arbeitete mit seinem Bruder Mychael bereits beim 2002er Varèse-Album Green Dragon zusammen und betreute im Jahr 2001 die moderne Version des Sheakespeareschen Othello-Stoffes, O, musikalisch. Durch geschickten Einsatz ethnischer Instrumente gelang es Jeff, Green Dragon in der Musik ein klangschönes vietnamesisches Feeling zu verleihen. Auch dieses Mal ist ihm vergleichbar Überzeugendes gelungen. Zur dreistündigen Verfilmung des Johannes-Evangeliums in The Gospel of John von Regisseur Philip Saville betrieb der Komponist ausgiebige Studien in alter hebräischer Musik. So kommt neben einem konventionellen Sinfonieorchester ein recht umfangreiches ethnisches Instrumentarium zum Einsatz, das neben Holzblas- und Zupfinstrumenten auch das markante jüdische Widderhorn Shofar enthält. Einen wichtigen Part in Sachen historischer Authentizität spielt die auf alte hebräische Musik spezialisierte französische Mezzosopranistin Esther Lamandier. Die von der Sängerin an frühchristliche Gesänge angenäherten, einfühlsam interpretierten vokalen Einlagen — gesungen übrigens in Aramäisch, der in Judäa zur Zeit Jesu gesprochenen Landessprache — verleihen der Musik besonderen Charme.

Dem Ethno-Instrumentarium entlockt Danna geschickt vielfältige und ungewöhnlich anmutende Klangkombinationen. Neben einzelnen breiter angelegten orchestralen Ausbrüchen sorgt zum überwiegenden Teil die Streichersektion des Sinfonieorchesters dafür, dass der historisch korrekte Ansatz dieser Filmkomposition den Hörer auf Dauer nicht befremdet. Und gerade in den hier zu hörenden romantisch inspirierten, von chorischen Streichersätzen dominierten Teilen steht die Musik auch wieder den klassischeren Vertonungen der Bibel-Epics recht nahe; wobei hier besonders Alfred Newmans Musik zu The Greatest Story Ever Told * Die größte Geschichte aller Zeiten (1965) in Erinnerung kommt.

Grundsätzlich ist das zu Hörende weder neuartig noch originell. Ethnisches, eingebettet in meditative Sounds, beruht letztlich auf sattsam bekannten Einflüssen des New Age (Weltmusik). Vergleicht man allerdings mit ähnlich gelagerten Filmmusiken der letzten Zeit, wie Zimmers The Last Samurai oder Horners Beyond Borders, fällt bei The Gospel of John das beträchtliche Mehr an Raffinesse unmittelbar ins Ohr.

Mark Hasan gibt übrigens in seinem Artikel Of Biblical Significance — in Film Score Monthly, Vol. 8, No. 9 — interessante Einblicke in die Hintergründe dieser wenig episch angelegten Bibelfilmvertonung. Unter anderem werden hier die offenbar beträchtlichen klanglichen Probleme erläutert, die auftreten, wenn (restaurierte) antike Instrumente zusammen mit denen eines modernen Sinfonieorchesters spielen sollen. Antikes Instrumentarium erweist sich nämlich im Erzeugen fixierter Tonhöhen als wesentlich unpräziser und schwieriger handhabbar als vom heutigen gewohnt. Im Resultat führt dies nur im Zusammenspiel von rein aus sehr alten Instrumenten zusammengesetzten Ensembles zum befriedigenden, für unsere heutigen Ohren typisch archaisierenden und exotischen Klangresultat. Hingegen treten in Kombination mit einem modernen Orchester schnell ohrenfällige und damit störende Missklänge auf. Hier wird deutlich, wie viel mühe- und liebevolle Detailarbeit hinter dieser so überzeugend klingenden Filmkomposition steckt.

The Gospel of John ist wie Green Dragon ein sorgfältig durchdachter und inspiriert realisierter Score und von vergleichbar hoher Hörqualität. Vier Sterne und damit eine klare Empfehlung spiegeln dies wider.


The Guys

Regisseur Jim Simpsons erfolgreiches Theaterstück The Guys reflektiert die Ereignisse des 11. September 2001. Simpsons Ehefrau Sigourney Weaver verkörpert eine Journalistin, die einem New Yorker Feuerwehrmann hilft, Trauerreden für seine im Inferno der zusammenstürzenden Twin Towers ums Leben gekommenen acht Kameraden zu verfassen.

Und wie schon früher führte auch dieses Mal der Theatererfolg zu einer Verfilmung des Stücks, die seit dem 20. November 2003 auch hierzulande zu sehen ist. Mychael Danna, der für ethnisch betonte Kompositionen bekannte ist, hat sich für die Vertonung von The Guys zu besonderer Sparsamkeit im Einsatz der Mittel entschlossen. Neben dem Klavier, einigen Holzbläsern und einzelnen kurzen weiblichen Vokalisen agiert nur noch ein Streicherensemble. Sowohl Blech als auch ethnisches Instrumentarium bleiben ausgespart, Schlagwerk wird nur einmal benötigt.

Auch hier setzt Mychael Danna Folkloristisches ein, wenn auch dieses Mal nicht als Klangfarbe. Das irische Traditional The Dawning of the Day schimmert im Score verschiedentlich auf und ist daneben in zwei Fassungen der Pop-Interpretin Mary Fahl enthalten. Neben der von Danna speziell für den Film arrangierten Version ist das Lied nochmals als Schluss-Track zu hören: Sony bewirbt mit einer Albumversion das hauseigene Mary-Fahl-Album The Other Side of Time. Neben diesen beiden einander sehr ähnlichen Varianten ist das Traditional noch ein drittes Mal vertreten: die Emerald Society Pipes and Drums bringen eine wahrhaft traditionell klingende Fassung mit Dudelsäcken und Snare Drums zu Gehör.

Auf die auch mengenmäßig sparsame Filmmusik entfallen insgesamt nur rund 24 Minuten. Ein kühles, einfaches Klaviermotiv durchzieht in variierter Form Dannas Musikbeitrag wie ein roter Faden. Neben dem Klavier spielen weitere Instrumentalsoli (auch der delikaten Glasharfe) eine entscheidende Rolle und gelegentlich lassen hinzutretende chorische Streicher die ruhige Musik dezent aufblühen. Eine subtile, von — an Philip Glass erinnernden — Minimalismen geprägte Tonsprache bestimmt das Programm. In Follow Me wird das klangliche Geschehen durch dezente Rhythmen der Snare Drums zu einer Art versöhnlichem, minimalistisch angehauchtem Trauermarsch gesteigert.

Vielleicht liegt es mit an der relativen Kürze des insgesamt Gebotenen, dass die Musik nicht ermüdet. Manch einer dürfte anlässlich des recht knappen Score-Anteils bereits etwas zögern und auch ein Blick ins Booklet dürfte ihn nicht gerade beflügeln: immerhin wirkt die Filmmusik-CD schon ein wenig wie das Vehikel für Mary Fahls o. g. Song-Album. Wer sich dadurch nicht abschrecken lässt, der erhält eine erfreulich unpathetisch klingende und nicht einfach pessimistische filmmusikalische Untermalung zu einem ernsten Thema, bei der Mychael Danna gekonnt auf die Dramatik der leisen Töne setzt.

The Guys ist ein schönes und recht eingängiges Höralbum, das im stark klangbezogenen Ausdruck an die ähnlich gelagerte Musik zu Hearts in Atlantis erinnert. Wie dort möchte ich auch hier durch eine positive Wertung, trotz des knappen Score-Anteils, Dannas Musik etwas hervorheben.

Michael Boldhaus | 09.04.2004
Zum Seitenanfang Unterstützen Sie unsere Arbeit: Werden Sie akkreditiertes Mitglied!
© 1999-2010 Cinemusic.de
Webmaster: Marko Ikonic | Kontakt: redaktion@cinemusic.de